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Mittwoch, 4. Dezember 2019

KLIMA-RISIKO-INDEX 2018





Man sieht einen Traktor als schwarze Silhouette und die nachfolgende Staubwolke im Gegenlicht. Durch die Wolken scheinen Sonnenstrahlen.  (dpa-Zentralbild / Patrick Pleul)
Ein Landwirt bearbeitet einen trockenen Acker in Sieversdorf im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg und wirbelt dabei viel Staub auf, aufgenommen am 28.5. 2015. (dpa-Zentralbild / Patrick Pleul)

Deutschland auf Platz 3 der weltweiten Wetterextreme

4. Dezember 2019
Deutschland ist laut einer Studie im vergangenen Jahr erstmals unter den drei Ländern der Welt gewesen, die am stärksten von Wetterextremen betroffenen waren. Durch die Hitzewelle mit extremer Dürre seien in der Bundesrepublik mehr als 1.200 Menschen ums Leben gekommen, heißt es in dem auf der Weltklimakonferenz in Madrid vorgestellten Bericht. Die CO2-Emissionen nehmen derweil weltweit weiter zu.

In dem von der Organisation Germanwatch veröffentlichten Klima-Risiko-Index lag Deutschland im vergangenen Jahr noch auf Rang 40. Nun wird es hinter Japan und den Philippinen an dritter Stelle genannt. In Japan hatten heftige Regenfälle, eine mehrwöchige Hitzewelle und ein Taifun hohe Schäden verursacht.

Für ihre Untersuchung wertet die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch seit 14 Jahren Daten des Rückversicherers Munich Re sowie des Internationalen Währungsfonds aus. Die aktuelle Erhebung zeige, dass massive Klimawandelfolgen weltweit zunähmen – und immer öfter auch Industrienationen wie Deutschland oder Japan träfen, sagte einer der Autoren der Studie, Maik Winges.

Alte und Kranke besonders gefährdet
Zu den mehr als 1.200 Menschen, die dem Bericht zufolge allein in Deutschland an den Folgen der Hitzewelle ums Leben gekommen sind, zählen vor allem alte und kranke Menschen. So könnten hohe Temperaturen bei mehreren Arten von Erkrankungen die Symptome verschlimmern, warnt das Robert-Koch-Institut. Außerdem belaste Hitze das Herz-Kreislaufsystem. Besonders gefährdet seien bereits geschwächte Menschen.

Langfristig schwerste Folgen für arme Länder
Insgesamt blieben laut Klima-Risiko-Index die ärmsten Staaten der Welt den noch größeren Risiken ausgesetzt. Sie bekämen bisher kaum Hilfe für Schäden und Verluste von den Hauptverursachern des Klimawandels, also den Industriestaaten, kritisierte der Forscher. Teils fehlten auch Daten, weswegen die Schäden in diesen Ländern eher unterschätzt würden. Im Langfrist-Index der Studie, der die Jahre 1999 bis 2018 auswertet, sind Puerto Rico, Myanmar und Haiti die Länder, die am stärksten von Stürmen, Überflutungen und Dürren betroffen waren.

CO2-Ausstoß weltweit weiter gestiegen
Trotz weltweiter Proteste und internationaler Versprechungen nimmt der globale CO2-Ausstoß weiter zu. Im laufenden Jahr wird damit aktuellen Zahlen zufolge ein neuer Höchststand erreicht. Zwar ging die Nutzung von Kohle in den USA und in der EU zurück, stattdessen wurden aber mehr Erdgas und Erdöl genutzt.

Wie der Forschungsverbund „Global Carbon Project“ mitteilt, ist für dieses Jahr mit einem Anstieg der globalen CO2-Emissionen um etwa 0,6 Prozent zu rechnen. Im Vergleich zu den Vorjahren verlangsamte sich die Zunahme. 2018 gab es noch ein Plus von 2,1 Prozent. Die Entwicklung geht unter anderem auf ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum zurück. Zugleich sei in den USA und der EU weniger Kohle verfeuert worden. Stattdessen habe man aber mehr Erdöl und vor allem mehr Erdgas genutzt.

Heißestes Jahrzehnt seit Beginn der Aufzeichnungen
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, Unep, hatte in der vergangenen Woche angemahnt, die weltweiten Treibhausgas-Emissionen zwischen 2020 und 2030 jährlich um 7,6 Prozent zurückzufahren. Anderenfalls werde das im Pariser Klimaabkommen formulierte Ziel verpasst, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Das Jahrzehnt von 2010 bis 2019 war mit großer Wahrscheinlichkeit das heißeste seit Beginn der Messungen 1850, wie die Weltwetterorganisation auf der UNO-Klimakonferenz in Madrid mitteilte.

Umweltorganisationen dringen darauf, dass zumindest einige der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß eine Anhebung ihrer Klimaschutzziele fest zusagen.


Deutschland weltweit unter den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten

Von Silke Kersting, 4.12.2019
Der Klimawandel macht sich immer stärker bemerkbar – und trifft immer häufiger die großen Industrienationen. Ein Hauptleidtragender: Deutschland. Deutschland gehört zu den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten weltweit. Das ist das Ergebnis des Klima-Risiko-Index’, der am Mittwoch auf dem Klimagipfel in Madrid vorgestellt wurde.

Wie die Übersicht der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch zeigt, forderten die Hitzewellen im Jahr 2018 in Deutschland mehr als 1200 Todesopfer und verursachten in Kombination mit der Rekorddürre Schäden in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro.
Insgesamt verzeichnete Deutschland 2018 rund 4,5 Milliarden Euro Schäden durch Wetterextreme, vor allem die Orkantiefs Friederike im Januar und Fabienne im September verursachten hohe Schäden. 2017 hatte Deutschland mit 27 Todesopfern auf Platz 40 gelegen. Nur Japan und die Philippinen waren im vergangenen Jahr noch stärker von Extremwettern betroffen als Deutschland, gefolgt von Madagaskar, Indien und Sri Lanka.

„Der Klima-Risiko-Index zeigt, dass massive Klimawandelfolgen weltweit zunehmen – sie treffen immer öfter auch Industrienationen wie Deutschland oder Japan“, sagt Maik Winges, einer der Autoren des Index’. Folgen von Extremwetter wie Dürren, Überflutungen oder Hitzewellen führten auch hierzulande zu Todesopfern und großen Schäden. Im Vergleich seien aber die ärmsten Staaten der Welt noch größeren Risiken ausgesetzt. „Vor allem, weil sie bisher kaum Hilfe für erlittene Schäden und Verluste von den Hauptverursachern des Klimawandels bekommen.“

Der Index wird jährlich überarbeitet und zeigt für das Vorjahr und die vergangenen 20 Jahre, wie stark Länder von Wetterextremen wie Überschwemmungen, Stürmen, Hitzewellen und Dürren betroffen sind. Als Basis dienen vor allem die Datenbank des weltweit größten Rückversicherers Munich Re sowie demografische und wirtschaftliche Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Bei der Bezifferung der Schäden wird die von Land zu Land teilweise sehr unterschiedliche Kaufkraft berücksichtigt.

Kaum Chancen zum Wiederaufbau
Der Langfrist-Index über die Jahre 1999 bis 2018 zeigt, dass sieben der zehn am stärksten betroffenen Staaten Entwicklungsländer mit niedrigem oder geringem mittleren Einkommen sind. Puerto Rico, Myanmar und Haiti sind die am massivsten heimgesuchten Regionen.
Die Insel Puerto Rico ist ein Beispiel für die wachsende Zahl von Staaten, in denen ein einziger verheerender Hurrikan so massive Schäden hinterlässt, dass weite Landesteile viele Jahre für den Wiederaufbau brauchen. Daneben gibt es aber noch einen weiteren Trend: „Wir beobachten in Ländern wie Haiti, den Philippinen oder Pakistan in so kurzen Abständen wiederkehrende extreme Wetterlagen, dass diese Länder kaum Gelegenheit haben, sich nach Wetterkatastrophen zu erholen“, sagt Studien-Autorin Vera Künzel.

„Dies zeigt, wie wichtig es ist, dass arme Länder nicht nur bei der Anpassung an den Klimawandel, sondern auch bei nicht mehr vermeidbaren Schäden und Verlusten Unterstützung von den Hauptverursachern des Klimawandels erhalten“, sagt Künzel. Der Klimagipfel in Madrid müsse deswegen Antworten finden auf die Frage, wie der Umfang der benötigten Unterstützung in armen Ländern regelmäßig ermittelt wird und wie dann die benötigten finanziellen Hilfen aufgebracht werden.

Der Umgang mit Schäden und Verlusten ist ein ständiges Streitthema in den internationalen Klimaverhandlungen – auch während der zweiwöchigen Konferenz in Madrid. Derzeit finden vor allem technische Verhandlungen über das Regelwerk des Pariser Klimaabkommens statt.

Das Abkommen war Ende 2015 in der französischen Hauptstadt beschlossen worden und soll die Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius begrenzen, um die schlimmsten Folgen einer ungebremsten Klimaerwärmung zu verhindern. Das Ziel ist überaus ehrgeizig: schon jetzt hat sich die Erde im vorindustriellen Vergleich um ein Grad erwärmt.

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